Dienstag, 13. September 2016

Trinkwasserdesinfektion für unterwegs

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Reisemedizin

Trinkwasserdesinfektion für unterwegs

Von Gudrun Heyn, Berlin

Wenn Reisende erkranken, ist häufig verunreinigtes Trinkwasser die Ursache. Doch selbst unter einfachen Bedingungen im Ausland lässt sich mit physikalischen Maßnahmen und chemischen Mitteln hygienisch einwandfreies Trinkwasser herstellen.


Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit hat derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Um zu überleben, bleibt den Betroffenen in der Regel nur die Deckung ihres Flüssigkeitsbedarfs mit Wasser, das mit Keimen oder schädigenden Substanzen belastet ist. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben an den Folgen jährlich rund 5 Millionen Menschen. »Oft werden auch Reisende mit einer schlechten Trinkwasserversorgung konfrontiert«, sagte Bettina Flörchinger vom Centrum für Reisemedizin auf dem 10. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin. Besonders gefährdet sind Rucksacktouristen und Urlauber, die mit einer Jacht oder einem Wohnmobil unterwegs sind. Vor allem in ländlichen Gebieten Afrikas, Asiens und Südamerikas und in den Armenvierteln der Großstädte muss mit hygienisch mangelhaftem Trinkwasser gerechnet werden. Doch wer gut vorbereitet ist und sich etwas Zeit nimmt, kann problemlos selbst für keimfreies Trinkwasser sorgen. Dazu stehen verschiedene Desinfektionsmöglichkeiten zur Verfügung.

Keime im Trinkwasser

Zu den mit Abstand häufigsten Gesundheitsproblemen im Urlaub gehören wasserbürtige Durchfallerkrankungen. In manchen Risikogebieten sind bis zu 80 Prozent der Touristen davon betroffen. Bezeichnungen wie »Pharaos Rache« in Ägypten, »Montezumas Rache« in Mexiko oder »Delhi Belly« in Indien zeigen die Verbreitung des Problems. Aber auch Erkrankungen wie Hepatitis oder Typhus können durch unsauberes Trinkwasser übertragen werden. In erster Linie sind es Bakterien wie Enterotoxin bildende Escherichia coli, Shigellen, Salmonellen und Campylo-bacter, die das Trinkwasser in ein gesundheitsgefährdendes Lebensmittel verwandeln können.

Im Wasser überlebensfähig sind zudem parasitäre Protozoen, wie Entamoeba histolytica, die Verursacher der Amöbenruhr oder Giardia lamblia, die Erreger der Giardiasis. Unter den Viren können vor allem Hepatitis-A- und -E-Viren, sowie Rota-, Noro-, Polio- und Adenoviren mit dem Wasser verbreitet werden. »So werden etwa 50 Prozent aller Hepatitis-A-Erkrankungen in Deutschland von Touristen aus dem Urlaub mitgebracht«, sagte Flörchinger.

Aber auch Schadstoffe wie Schwermetalle, Herbizide und Pestizide belasten immer wieder die Trinkwasservorkommen. Nicht selten sind schwere gesundheitliche Schäden die Folge. Bekannt ist dies etwa aus Bangladesch. Dort fördern Tiefbrunnen mit dem Wasser natürlich vorkommendes Arsen zutage. Menschengemacht sind dagegen beispielsweise die Trinkwasserprobleme in den französischen Überseedepartements Guadeloupe und Martinique. Auf Bananenplantagen wurde dort das Pestizid Chlordécone gegen Schädlinge eingesetzt. Nun ist die organische Chlorverbindung im Trinkwasser und sogar in dem Gemüse nachzuweisen, das mit dem verunreinigten Grundwasser gegossen wird.

Trübes Wasser filtern

Selbst unter einfachen Bedingungen können Reisende Wasser in der Regel wieder genießbar machen. Mit der Aufbereitung sollen primär die im Wasser vorhandenen Krankheitserreger unschädlich gemacht oder entfernt werden. Aber auch organische und anorganische Schadstoffe lassen sich mithilfe von Filtration zum Teil eliminieren. Da Trüb- und Schwebstoffe die zur Desinfektion eingesetzten Chemikalien adsorbieren und so deren antibakterielle Wirkung verhindern können, ist klares Wasser die Grundvoraussetzung einer erfolgreichen chemischen Desinfektion.


Merkblatt im Internet

Das Auswärtige Amt stellt unter http://www.auswaertiges-amt.de/ ein Merkblatt zu sauberem Trinkwasser im Ausland zum Download zur Verfügung:


Ist das Wasser trüb, sollte zu Beginn der Aufbereitung daher die Filtration stehen. Zur Entfernung von Schweb- und Trübstoffen sind alle in Outdoor-Geschäften erhältlichen Filter geeignet. Doch eine vollständige Entkeimung gelingt mit diesen nicht. Sie haben eine durchschnittliche Porengröße von 0,2 mm, womit Protozoen, Wurmeier und etwas größere Bakterien beseitigt werden können. »Dagegen lassen sich kleinere Bakterien und Viren nicht zuverlässig entfernen«, sagte Flörchinger. Angeboten werden verschiedene Filtermedien, oft auch in Kombination: Besonders häufig verwendet werden Keramikfilter. Sie haben den Vorteil, dass sie dauerhaft eingesetzt werden können. Damit sie nicht zur Brutstätte von Keimen werden, müssen sie jedoch regelmäßig gereinigt werden. Durch ein hohes Aufnahmevermögen zeichnen sich Glasfaserfilter aus. Nachteilig ist ihre begrenzte Lebensdauer. Reisende sollten daher immer Ersatzfilter mit sich führen. Aktivkohlefilter sind die richtige Wahl, wenn organische Substanzen aus dem Wasser entfernt werden sollen. Sobald ihre Adsorptionskapazität nachlässt, muss jedoch auch bei ihnen das Filtermaterial ausgetauscht werden.

Hygienisch einwandfrei

Ist das Wasser klar, kann es mit Desinfektionsmitteln behandelt werden. Weltweit bevorzugt werden die Halogene Chlor und Iod. Sie haben eine stark oxidierende Wirkung und zerstören schnell die Zellstrukturen von Mikroorganismen. Wenn Wasser dagegen über längere Zeit keimfrei gehalten werden soll, ist Silber Mittel der Wahl. Es wirkt sehr viel langsamer bakterizid als die Halogene und ist daher als alleiniges Desinfektionsmittel auf Reisen nicht empfehlenswert. Aufgrund seiner Langzeitwirkung wird es jedoch gerne in Kombination mit anderen Substanzen eingesetzt.

Das am meisten verwendete Desinfektionsmittel ist Chlor. Für Reisende gibt es die Substanz etwa in Form von Fertigpräparaten in Kombination mit Silber (zum Beispiel Micropur Forte®, Certisil Combina®). Durch die Langzeitwirkung des Silbers bleibt das aufbereitete Wasser bis zu sechs Monate vor einer Wiederverkeimung geschützt. Die chlorhaltigen Pulver, Lösungen oder Tabletten werden in das zu desinfizierende Wasser gegeben, wo sie mindestens 30 Minuten einwirken sollten. Die Einwirkzeit verlängert sich deutlich, wenn das Wasser Protozoen enthält. Mindestens zwei Stunden sollten sich Reisende dann für die Desinfektion Zeit nehmen, denn die Einzeller verwandeln sich außerhalb des Menschen in sehr widerstandsfähige Zysten. Alternativ können die Einzeller durch Filterung entfernt werden. Bei der Anwendung von Chlor sollten Reisende zudem wissen, dass die Substanz im alkalischen Milieu schnell ihre Wirksamkeit verliert. Ein weiterer Nachteil ist der unangenehme Geschmack. Dieser lässt sich jedoch mit Natrium-Thiosulfat (zum Beispiel Micropur Antichlor®) leicht neutralisieren. Auch bei chloriertem Leitungswasser ist dieser Zusatz empfehlenswert.
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Einfügung: Eine weitere Möglichkeit zur Wasserdesinfektion ist die Anwendung von Chlordioxid. Chlordioxid hat wesentlich bessere Eigenschaften als Chlor. Es soll hier auf die TwinOxide-Solutions hingewiesen werden:
Videohttps://youtu.be/68OdJPVMZZM


Dr. Ing. W.Storch

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Iod wird vor allem im amerikanischen Raum etwa in Form von Iodtabletten (zum Beispiel Potable Aqua®) angeboten. In Europa ist das Halogen nicht als Fertigprodukt zugelassen. »In der Apotheke können Reisende jedoch eine 2-prozentige Iodlösung erstehen, die sie verkeimtem Wasser hinzusetzen können«, sagte Flörchinger. Bei klarem Wasser genügen davon fünf Tropfen auf einen Liter. Dabei ist zu beachten, dass die Wirkung von Iod temperaturabhängig ist. Während bei Temperaturen über 25 °C eine Einwirkzeit von 30 Minuten in der Regel ausreicht, ist bei kühleren Temperaturen eine längere Anwendung erforderlich. So verdoppelt sich die Einwirkzeit mit jeder Abnahme um 10 °C.

Nur für kurze Zeit lässt sich Iod unbesorgt anwenden. Wenn Menschen über einem längeren Zeitraum das aufbereitete Wasser zu sich nehmen, kann es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Besonders gefährlich ist dies bei Ungeborenen. Daher ist der Genuss von mit Iod desinfiziertem Wasser in der Schwangerschaft kontraindiziert. Auch Iod hinterlässt einen unangenehmen Geschmack. Abhilfe schafft eine Messerspitze Ascorbinsäure auf 250 ml Wasser oder die Filtration über Aktivkohle.

Hitze und Strahlung

Das wohl älteste Verfahren zur Gewinnung von keimfreiem Wasser ist das Abkochen. Mindestens eine Minute lang sollten Reisende es dazu leicht sprudelnd kochen lassen. Dies gilt jedoch nicht bei einem Aufenthalt in größerer Höhe. Dort ist der Luftdruck geringer und Wasser siedet schon bei niedrigeren Temperaturen. Daher muss ab einer Höhe von 2000 Metern über dem Meeresspiegel mindestens eine Kochzeit von drei Minuten eingehalten werden. Alternativ kann zusätzlich auch eine chemische Desinfektion erwogen werden. Nach dem Abkochen sollte das Wasser möglichst in den Gefäßen abkühlen können, in denen es abgekocht wurde. Wenn es dabei abgedeckt ist und keine Eiswürfel zum Herunterkühlen verwendet werden, bleibt das Risiko einer erneuten Verkeimung minimal.

Ein großer Nachteil des Verfahrens ist der relativ hohe und manchmal auch schwer zu deckende Energiebedarf für das Erhitzen. Daher ist das Abkochen für die Aufbereitung von großen Wassermengen etwa für eine Segeljacht kaum geeignet. Zu beachten ist zudem, dass weder Trübstoffe, Schwermetalle noch Pestizide beseitigt werden. Es sollte daher zusätzlich filtriert werden. Weniger ein Problem ist dagegen der oft fade Geschmack des abgekochten Wassers. Leicht lässt er sich durch eine Prise Salz verbessern. Auch die Zuführung von Luft durch das Dekantieren von einem Gefäß zum anderen kann helfen.

Ebenfalls gegen Bakterien und Viren gut wirksam ist eine UV-Bestrahlung. Aber selbst für den kleinen Bedarf von Abenteuer- und Rucksackreisenden ist der dazu notwendige Zeitaufwand in der Regel viel zu groß. Über viele Stunden muss das Wasser etwa in einer ungefärbten PET-Flasche dem Sonnenlicht ausgesetzt werden.

Mittwoch, 13. April 2016

DIE FÜNF SÄULEN DER KNEIPP-THERAPIE

http://www.swp.de/hechingen/lokales/hechingen/DIE-FUeNF-SAeULEN-DER-KNEIPP-THERAPIE;art5612,3781725

DIE FÜNF SÄULEN DER KNEIPP-THERAPIE

1. Wasser Grundsätzlich stärken Wasseranwendungen die Abwehrkräfte und das vegetative Nervensystem. Weiterhin wirken sie harmonisierend auf alle Funktionen im Körper und fördern die seelische Gelassenheit.
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1. Wasser
Grundsätzlich stärken Wasseranwendungen die Abwehrkräfte und das vegetative Nervensystem. Weiterhin wirken sie harmonisierend auf alle Funktionen im Körper und fördern die seelische Gelassenheit.
Das Wasser heilt aber nicht nur durch Temperaturwirkung, sondern es ist auch wichtiger Träger für die Wirkstoffe von Heilpflanzen. Die Kneippanlage im Hechinger Stadtgarten mit Wassertretbecken, Armbad und angrenzendem Kräutergarten steht Kneipp-Anwendern und Erholungssuchenden von Mai bis Ende September offen. Vorträge und Einführungen an der Kneippanlage sind jederzeit nach Absprache mit den Referenten des Kneipp-Vereins Hechingen buchbar.
2. Ernährung
Eine gesunde, vollwertige, schmackhafte und möglichst naturbelassene Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden. Sie trägt zum Gesundbleiben wie zum Gesundwerden bei, indem sie die körpereigenen Schutzmechanismen fördert. Informatives zur Säule Ernährung vermittelt der Kneipp-Verein Hechingen in Workshops, bei öffentlichen Veranstaltungen und auch im offenen Kneipp-Treff.
3. Heilkräuter
Sebastian Kneipp hielt große Stücke auf die Pflanzen und verwendete sie als Badezusätze, Tinkturen, Salben, Tees und Säfte. Dabei stützte er sich auf die lange Tradition der Klostergärten in Europa und entwickelte seine Therapie stetig weiter. Der monatliche Treff des Kneipp-Vereins Hechingen sowie Workshops und Kräuterwanderungen bieten über das Jahr Einblicke in das Sammeln und Verwerten von Kräutern, sowie viele Informationen zu deren vorbeugenden und heilenden Wirkung auf den Körper.
4. Bewegung
Bewegung hat ihren festen Platz in der Kneippschen Lehre. Das ideale Wechselspiel zwischen Leistung und Ausruhen stärkt Körper, Geist und Seele. Ob Herz-Kreislauf-Training, Muskelaufbau oder Rückenschule - beim Kneipp-Verein Hechingen gibt es vielseitige Bewegungsangebote für alle Lebensabschnitte.
5. Lebensordnung
Lebensordnung geschieht durch jeden Einzelnen selbst, indem er, im Sinne Kneipps, eine gesunde Lebensweise anstrebt, zu der auch das Bemühen um seelische Ausgeglichenheit, Stresstoleranz und soziale Kompetenz gehören. Beim Kneipp-Verein Hechingen werden verschiedene Entspannungstechniken in Kursen, Workshops und Einzelveranstaltungen vorgestellt. Die Teilnehmer erhalten Anregungen, die sie in ihrem Alltag unterstützend einbinden können. Auch die Geselligkeit und der soziale Austausch sollen bei dieser Kneippschen Säule nicht zu kurz kommen: Bei Wanderungen und Ausflügen mit dem Kneipp-Verein Hechingen bieten sich vielseitige Möglichkeiten, die Natur und Sehenswürdigkeiten kennenzulernen sowie neue Kontakte zu knüpfen.

Kneipp-Verein Hechingen

60 Jahre Der vor 60 Jahren gegründete gemeinnützige Kneipp-Verein Hechingen erhebt einen Mitgliedsbeitrag pro Jahr von je 35 Euro für Einzelperson und Familien mit Kindern unter 18 Jahren. Die Dauer einer Mitgliedschaft beträgt mindestens ein Jahr. Informationen zu den Aktionen des gemeinnützigen Vereins werden in der HZ veröffentlicht und sind auch auf der stets aktualisierten Homepage unterwww.kneippverein-hechingen.de abrufbar. Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich in der Stettener Straße 13; Telefon: 07471/621160; Fax: 07471/ 6201369; Mail: info@kneippverein-hechingen.de
SWP

Mittwoch, 9. September 2015

Nachhaltige Hygiene und Gesundheit: Menschen für Menschen Schweiz startet neues WASH Center-Projekt

http://www.presseportal.ch/de/pm/100007199/100777439

Nachhaltige Hygiene und Gesundheit: Menschen für Menschen Schweiz startet neues WASH Center-Projekt

08.09.2015 – 10:01

Mittwoch, 27. Mai 2015

Der Kampf um sauberes Wasser

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/Der-Kampf-um-sauberes-Wasser/story/27734419


Tages-Anzeiger

Der Kampf um sauberes Wasser

In Kambodscha sind die Folgen der jahrelangen Bürgerkriege bis heute spürbar. Noch immer hat dort jede dritte Person keinen Zugang zu sauberem Wasser. Ein Besuch mit dem Schweizerischen Roten Kreuz an Orte, an die sonst niemand hinkommt.

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Ihr Lächeln hat die 65-jährige Kambod­schanerin Oum Rous nicht verloren. Sie sitzt unter einem rosaroten, hoch gehängten Moskitonetz auf ihrem Bett ohne Matratze, in einer nur etwa neun Quadratmeter grossen Hütte aus Wellblech, Holzlatten und Zuckerpalmenblättern. Ihre Sorgen und Ängste sieht man der zierlichen Frau mit den kurzen Haaren und den schiefen Zähnen nicht an. Sie ist eine der Ärmsten im Dorf Phasa Kumrussey, rund 30 Kilometer südlich von der Hauptstadt Phnom Penh im Norden der Provinz Takeo.
Dennoch strahlt Oum Rous fast einen ansteckenden Optimismus aus. «Ich bin froh, dass meine Enkelin einen Job in einer Textilfabrik hat und 134 US-Dollar im Monat verdient», sagt die Witwe. Ihr Mann ist 1973 während des Bürgerkriegs gefallen, und ihre unter Depression leidende Tochter, die mit einem Alkoholiker verheiratet war, starb kurz nach der Geburt des ersten Kindes. Deshalb lebt Oum Rous seither mit ihrer inzwischen 20-jährigen Enkelin in dem winzigen Einzimmerschlaf- und Wohnraum.
Dort haben die beiden ihre wenigen Habseligkeiten verstaut – von Kleidern über Lebensmittel bis hin zu ­Geschirr und Kochtöpfen. Der einzige ­Luxus ist ein Ventilator und ein Secondhandfernseher, den Oum Rous ihrem Neffen für 40 Dollar abgekauft hat. Seit ein paar Monaten hat sie draussen an ­ihrer Kochstelle einen Wasserbehälter mit sauberem Trinkwasser. Und rund 20 Meter hinter ihrer Hütte steht nun auch ein Toilettenhäuschen. Ein solides Plumpsklo mit stabilen Wänden aus Zementblöcken und einem Wellblechdach.
Spuren des Terrorregimes
Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Welt mit einer tragischen Vergangenheit. Während des Vietnamkriegs wurde es bombardiert, um Rückzugsgebiete der Vietcong zu zerstören. Danach verbreiteten die Roten Khmer unter Pol Pot Angst und Schrecken im Land. ­Genau vor 40 Jahren marschierte seine Armee in Phnom Penh ein. Dies hatte zur Folge, dass knapp 3 Millionen Kambodschaner, rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung, ermordet oder vertrieben wurde. Die Roten Khmer brachten fast die gesamte geistige Elite um. Als das Schreckensregime 1978 endete, verfügte Kambodscha nur noch über etwa 5 bis 20 ausgebildete Mediziner. Erst 1993, mit den ersten freien Wahlen, kehrte ein Stück Normalität zurück.
«Mittlerweile haben wir bei uns im Spital 40 Ärzte und 3 Apotheker», freut sich Khiev Samras, Direktor des Provinzkrankenhauses Takeo, das für rund 1 Million Menschen verantwortlich ist. Es wurde unter anderem mithilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) zu einem funktionierenden Betrieb aufgebaut und gilt nun als Vorzeigebeispiel. Jeden Tag kommen hier etwa fünf Kinder zur Welt. Eine Mutter liegt mit ihrem Neugeborenen in einem schlichten Bettgestell aus Metall, das mit Holzlatten und einer Strohmatte ausgelegt ist. Und eine stolze Grossmutter gibt ihrem erst wenige Tage alten Enkelkind, das sie auf ein pinkfarbenes Kissen auf dem Boden gelegt hat, ein Fläschchen zu trinken.
Das Spital ist voll mit Patienten und deren Familien, die sie rund um die Uhr versorgen und ihnen das Essen mitbringen. Mittlerweile bietet es sogar das ganze Spektrum medizinischer Behandlungen an — von chirurgischen Eingriffen bis hin zu modernen bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie oder Blutanalysen im eigenen Labor. Um die Behandlungskosten transparent zu machen und die Korruption zu bekämpfen, sind die Preise gleich am Eingang des Spitals für jedermann ersichtlich auf eine Tafel geschrieben.
«Die Allerärmsten müssen nichts zahlen, sondern werden durch einen Gesundheitsfonds finanziert», sagt Khiev Samras. Früher gingen viele Kambod­schaner zu traditionellen Heilern oder wurden gar nicht behandelt, weil sie es sich nicht leisten konnten. Dennoch liegt auch noch heute im ­Gesundheitssektor viel im Argen. Bestimmte Krankheiten liessen sich allein durch Prävention und Aufklärung vermeiden. Denn nach wie vor leiden viele Kambodschaner etwa an schwerwiegenden und zum Teil sogar tödlich verlaufenden Durchfallerkrankungen. Der Grund: Jede dritte Person hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Und nur jede sechste benutzt eine Toilette.
Zwei Ärzte pro 10'000 Einwohner
Obwohl in Kambodscha dank dem stetigen Wirtschaftswachstum die Armutsrate von 47,8 Prozent im Jahr 2007 auf 19,8 Prozent im Jahr 2012 gesunken ist, sind die Verhältnisse weiterhin vielerorts prekär. Im Jahr 2010 hatten laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 46 Prozent der Bevölkerung nur 1.25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Auch die medizinische Versorgung des Landes ist zumeist dürftig. Im Jahr 2008 kamen gemäss der WHO-Statistik auf 10'000 Einwohner nur zwei Ärzte. Zum Vergleich: In der Schweiz waren es im Jahr 2013 rund 22 Ärzte.
Besonders deutlich zeigen sich die fehlenden Behandlungsmöglichkeiten in Kambodscha an der hohen Sterblichkeit aufgrund von Durchfallerkrankungen. Im Jahr 2012 machten sie 8 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren aus. Schuld daran sind insbesondere die schlechte Hygiene und kontaminiertes Wasser, weswegen sich Krankheitserreger gut verbreiten können. Um die Situation zu verbessern, setzt sich das SRK in der Provinz Takeo für den Bau einfacher Toiletten ein – Latrinen wie diejenige von Oum Rous. Bisher sind es bereits 641. Zudem sollen die Menschen in den Dörfern einen Brunnen in ihrer Nähe haben und die Wasserstellen auch gewartet werden.
Eine Gesellschaft im Umbruch
«Das ganze Dorf profitiert von der ­Instandsetzung des Wassersystems», erklärt Gabriela Zipper, Länderverantwortliche des SRK. «Die Familien leben hier relativ zurückgezogen, weil sie in der Vergangenheit sehr viel Leid ertragen mussten. Viele von ihnen sind vertrieben worden oder haben Familienmitglieder im Krieg verloren.» Deshalb gibt es auf dem Land generell wenig alte Menschen und viele Junge. Letztere arbeiten im Gegensatz zu früher weniger auf den Reisfeldern, sondern wandern oft ab. Zumindest tagsüber. Denn am Stadtrand von Phnom Penh schiessen Textilfabriken geradezu wie Pilze aus dem Boden, weil man dort im Vergleich zu China billiger produzieren kann.
Dieser Boom führt dazu, dass vor allem junge Männer und Frauen aus den Dörfern am Morgen auf der Ladefläche von Lastwagen dicht an dicht zu den Fabriken gekarrt werden — und am Abend wieder zurück. «Oft müssen deshalb die Grossmütter sich um die Kinder kümmern», sagt Zipper. Die Gesellschaft in Kambodscha sei im Umbruch. Mit dem Nachteil, dass sich die soziale Schere weit öffne. Die Unterschiede sind bereits jetzt nicht zu übersehen. So hat das eine Kind in Oum Rous’ Dorf schon ein iPhone, während das andere nicht einmal Schuhe trägt, geschweige denn eine Latrine zu Hause hat.
Doch bisher sind Statussymbole wie Smartphones oder Autos in dieser Gegend erst vereinzelt zu beobachten. Vielmehr scheint die Zeit hier stillzustehen. Brachliegende Reisfelder, so weit das Auge reicht. Hin und wieder ragen ein paar hoch gewachsene Zuckerpalmen aus der Landschaft heraus. Und weiterhin führen Sandpisten mit tiefen Schlaglöchern statt asphaltierter Strassen zu den Dörfern, wo Hühner, Rinder und Schweine meist mit den Menschen unter einem Dach leben.
Katastrophen treffen die ganz Armen
Die schlichten Bauten stehen auf Stelzen, um das wenige Hab und Gut der Menschen vor Überschwemmungen zu schützen. Das zentrale Tiefland steht wegen des Monsuns traditionell oft unter Wasser. Im vergangenen Jahr regnete es in Kambodscha jedoch sintflutartig, nach Angaben von Radio Free Asia war die Hälfte der insgesamt 24 Provinzen des Landes zwei Monate lang überschwemmt. Mehr als 100'000 Familien und 60'000 Häuser waren von der Katastrophe betroffen, 80'000 Reisfelder zerstört, 45 Menschen starben. Dagegen herrschte in der benachbarten Provinz Takeo Dürre, die ebenfalls grosse Ernteverluste verursachte.
Kambodscha gehört zu den Ländern, die aufgrund des Klimawandels mit mehr Wetterextremen rechnen müssen. Nicht nur der Zeitpunkt, auch die Dauer und die Intensität des Monsuns haben sich in der letzten Zeit verändert. «Im Jahr 2013 hatten wir in 17 Provinzen starke Überschwemmungen, die mehr als 200 Menschen getötet haben», sagt die Generalsekretärin des kambodschanischen Roten Kreuzes, Pum Chantinie. 2011 hätten die Sturzfluten sogar 250 Menschenleben gefordert.
Solche Katastrophen treffen vor allem die ganz Armen. Denn in dem südostasiatischen Staat sind viele der Bauern Selbstversorger. Fällt die Ernte aus, sind sie auf fremde Hilfe angewiesen. «Wir essen morgens, mittags und abends Reis», sagt die 57-jährige Or Koeurn aus dem Dorf Tropaing Lean. Sie lebt mit ­ihrer Adoptivtochter und deren eineinhalbjährigem Kind ebenfalls in einer aus Holzbrettern, Blättern und Wellblech ­erstellten Hütte.
Vor mehr als 30 Jahren trennte Or Koeurn sich von ihrem Mann, weil er eine andere hatte. Seither schlägt sie sich irgendwie durchs Leben. Sanitäre Anlagen wie eine Toilette hat sie nicht, sondern sie muss weiterhin irgendwohin, wo es niemand sieht, um ohne viel Aufsehen ein Loch in den Boden zu graben. Für die meisten in ihrem Dorf ist dies Routine. Sie kennen es nicht anders. Erst allmählich stehen hinter einigen Häusern Latrinen. Ein langer Prozess, der ein Umdenken erfordert.
Seltener krank
Or Koeurn kämpft sich mit wenig durch den Alltag. Sie besitzt aber zumindest ein kleines Reisfeld, das zehn Säcke à 50 Kilogramm hergibt. Wenn ihre Adoptivtochter im Restaurant als Tellerwäscherin arbeitet, passt sie auf ihre Enkelin auf. Trotz der schier unerträglichen Mittagshitze formt sie nun in einer Kochnische hinter der Hütte mit Tochter und Enkelin aus einer Reismasse Bällchen. Eines nach dem andern. Einen Tisch oder einen Stuhl hat sie nicht – alle müssen sie in der Hocke arbeiten. Anschliessend wäscht sie sich die Hände mit Seife. Seit sie dies immer wieder regelmässig mache, sei sie weniger krank, sagt Or Koeurn.
Sie hoffe, dass sie mit der Unterstützung des SRK bald eine eigene Latrine haben könne. Zuvor muss sie aber noch an mehreren Informationsveranstaltungen über Hygiene sowie Gesundheitsvorsorge teilnehmen. Auch für Wände und Dach des Toilettenhäuschens muss sie selbst aufkommen. Denn nur durch einen gewissen Grad an Eigeninitiative sei das Projekt nachhaltig und die Latrine werde nicht zweckentfremdet und später als Abstellraum genutzt, erklärt Zipper. Bisher besitzen in diesem Dorf von insgesamt 189 Familien 54 eine ­Latrine.
Auch die 20-jährige Enkelin von Oum Rous aus dem anderen Dorf in Takeo hat Wünsche. Sie hätte gern ein Haus, sagt sie lächelnd. Und am Eingang ihrer einfach zusammengebauten Hütte prangt ein farbiges Bild aus einer noch ganz anderen Traumwelt eines Teenagers; aus der des Films und Glamours – eine herausgerissene Seite aus einem Kalender. Doch das darauf strahlende Schauspielerpaar hat inzwischen schon etwas von seinem ursprünglichen Glanz verloren – durch die extremen Umweltbedingungen in dieser abgelegenen Gegend.(Tages-Anzeiger)
(Erstellt: 26.05.2015, 09:16 Uhr)

Freitag, 22. Mai 2015

Neun Geräte im Test Wasserfilter erfüllen nur selten ihren Zweck 22.05.2015, 14:46 Uhr | cme

http://www.t-online.de/lifestyle/besser-leben/id_74105246/stiftung-warentest-wasserfilter-erfuellen-nur-selten-ihren-zweck.html

Neun Geräte im Test
Wasserfilter erfüllen nur selten ihren Zweck


22.05.2015, 14:46 Uhr | cme


Wasserfilter machen das Wasser nicht besonders weich.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)


Hartes Wasser kann Kaffee- und Teeliebhaber zur Verzweiflung bringen. Wasserfilter sollen da Abhilfe schaffen. Sie versprechen weicheres Wasser, weniger Schadstoffe und mehr Teegenuss. Doch im Praxistest filtern die Geräte nur mäßig, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt. Keines von neun getesteten Geräten schaffte ein gutes Filterergebnis. Bei drei Modellen gab es zudem Probleme mit Verkeimung.



Nur drei Geräte erhielten ein "Befriedigend", darunter der "Klin-Tec Pure Water" (ca. 20 Euro) und der "Brita Elemaris 2,4 l" (ca. 34 Euro). Sie filtern zumindest zu Beginn relativ gut, allerdings lässt die Filterleistung schneller nach als angegeben. Wer die Patronen nicht frühzeitig wechselt, muss wieder mit härterem Wasser rechnen.

Schadstoffe in Deutschland selten ein Problem

Besser schneiden die Filter bei der Reduzierung von Schadstoffen wie Blei und Kupfer ab. Allerdings seien diese Stoffe in Deutschland nur selten ein Problem, schreibt Warentest. In Haushalten mit alten Bleirohren hingegen können die Geräte nützlich sein. Die drei Testsieger verringerten in der Untersuchung zudem den Gehalt an Rückständen wie Pestiziden im Wasser.

Drei Filter können zu Keimschleudern werden

Damit die Wasserfilter nicht verkeimen, sind die meisten Kartuschen mit Silberionen versetzt. Einige Hersteller verzichten jedoch darauf. Bei drei Modellen kann das dazu führen, dass sich in den Geräten Bakterien vermehren. Stiftung Warentest vergab dafür zweimal die Note "Mangelhaft".
Die meiste Kritik gab es an dem mit 185 Euro teuersten Filter im Test, dem "EVA-Filter 700 PLC 7 l". Warentest bezeichnet das Gerät als "Keimschleuder", das zudem nicht in den Kühlschrank passt. Außerdem fand das beauftragte Labor in dem gefilterten Wasser erhebliche Mengen an Dichlormethan, einem möglicherweise krebserregenden Stoff. Dieser stammt offenbar aus der Filterkartusche.
Der Anbieter des EVA Filters hat bereits reagiert und den Vertrieb vorsorglich eingestellt. Einzelne Geräte könnten sich aber noch im Handel befinden.

Im Kühlschrank lagern und Kartusche regelmäßig wechseln

Laut Stiftung Warentest fließt in Deutschland zu 99 Prozent klares, sauberes Trinkwasser aus den Rohren. Zur Sicherheit sollte man das in den Rohren stehende Wasser kurz ablaufen lassen, bis kaltes nachströmt. Wer zudem Kaffeemaschine oder Wasserkocher regelmäßig entkalkt, spart Geld und benötigt keinen Wasserfilter.

Wer dennoch nicht auf ein Gerät verzichten möchte, sollte es in den Kühlschrank stellen, täglich frisches Wasser einfüllen und die Kartuschen regelmäßig wechseln.